2. SEPTEMBER 2010
Die Gemeinde Dettingen hat beim Landratsamt beantragt, die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Dettingen und Hülben zur Kreisstraße aufzustufen. Eine solche Aufstufung hat gemäß Straßengesetz Baden-Württemberg zu erfolgen, wenn sich die Verkehrsbedeutung der Straße geändert hat. Sie ist dann in die entsprechende Straßengruppe einzustufen.
Zuständig für die Entscheidung ist das Landratsamt als untere Verwaltungsbehörde. Mit einer Entscheidung wird im September gerechnet. Das sind die nüchternen Fakten. Unterschwellig geht es aber um viel mehr, als die Aufstufung der sogenannten Promillesteige. Weil es unterm Strich um Geld, um sehr viel Geld sogar, geht, ist zu befürchten, dass sich die Gerichte letztlich mit der Angelegenheit befassen werden.
In Dettingen argumentiert man, dass die Verbindungsstraße zu einem nicht unerheblichen Teil von überörtlichem Verkehr frequentiert wird. Beim Landratsamt wiederum kann man nicht erkennen, dass sich auf der Straße andere Autofahrer bewegen, als bisher. Verstehen kann man letztlich beide Seiten, denn wenn es zu einer Aufstufung kommen sollte, wäre Dettingen so manche Sorge los und der Landkreis müsste erheblich tiefer in die Tasche greifen, als bisher. Denn, so die Stellungnahme vom Landratsamt, sollte die Promillesteige zur Kreisstraße werden, müsste die zuerst einmal ausgebaut werden.
Als so genannte klassifizierte Kreisstraße wäre die Straße im Ist-Zustand nämlich unter anderem zu schmal. Zudem gibt es immer wieder Probleme durch Felsen, die auf die Fahrbahn purzeln. Und was das kosten kann, sieht man ja deutlich am Albaufstieg nach Hengen. Das Landratsamt jedenfalls hat die Bleistifte gespitzt und ausgerechnet, dass zunächst einmal rund 4,5 Millionen Euro investiert werden müssten.
In Reutlingen befürchtet man vermutlich nicht ganz zu unrecht, dass damit ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte. Den Vorwurf, eine Extrawurst gebraten zu bekommen, weist man in Dettingen wiederum weit von sich. »Wir wollen nur eine Gleichbehandlung«, hatte Dr. Rolf Hägele als stellvertretender Bürgermeister in der Sitzung des Kreistages argumentiert.
Die Straße gibt es schon seit mehr als 45 Jahren. Von der Bevölkerung wird sie rege genutzt, wie Verkehrszählungen ergeben haben. Immerhin fast 2 000 Autos sind täglich darauf unterwegs.
Der Kreistag hat sich in seiner Sitzung mit großer Mehrheit gegen eine Aufstufung der Straße ausgesprochen. Dettingen könnte die Straße schließen, sollte der Kreis nicht per Gerichtsbeschluss dazu verdonnert werden, die Straße zu übernehmen. Nur: Sollte der Kreis doch noch in den zweifelhaften Genuss kommen, ein paar Meter Straße mehr zu bekommen, hat auch der die Möglichkeit nichts zu machen und die Straße zu sperren. Egal, wie die Sache auch ausgehen mag, der Autofahrer dürfte auf jeden Fall den Kürzeren ziehen!