2. SEPTEMBER 2010
Kleinkrieg im Bäckeralltag, Zoff im Rathaus, vielleicht sogar ein Happy End noch weiß niemand, wie die Geschichte der SWR-Serie »Laible und Frisch« ausgeht. Derzeit werden sechs neue Folgen des beliebten Mehrteilers (wir berichteten) gedreht, die ganz Urach und Umgebung auf Trab halten. Voraussichtliche Ausstrahlung soll um die Weihnachtszeit 2010 sein.
»Achtung, Ruhe bitte wir drehen«, heißt es früh morgens um kurz nach 7 Uhr, wenn normalerweise ein Drehtag beginnt. Und der kann schon mal zehn bis zwölf Stunden dauern, je nach Aufwand. Vor ein paar Tagen zum Beispiel versammelte sich die Film-Crew in aller Herrgottsfrühe zunächst in der Frisch-Filiale, die eigentlich die Volksbank ist, zu einem heftigen Schlagabtausch. Danach ging‘s ins Rathaus. Dort hatte Uschi Stammer, alias Monika Hirschle, die als Gemeinderatsmitglied und Schwertgosch im Film agiert, einiges gerade zu biegen. Für Bürgermeister Karl Pfleiderer, gespielt von Peter Jochen Kemmer, keine leichte Aufgabe sich eine Meinung zu bilden, platzt doch auch noch beinahe im selben Augenblick Manfred Frisch mitten in die alt-ehrwürdigen Gemäuer.
Doch dem unbeliebten Bäcker-Großindustriellen aus Hamburg, der von Simon Licht gespielt wird, nimmt Lotte Schätzle, des Bürgermeisters Sekretärin, gleich mal vorab den Wind aus den Segeln. Die resolute Dame herrscht nämlich in der »Schaltzentrale der Macht«, sehr zum Ärger des Bäckers Frisch. In der Rolle des »Schätzles« hätte keine andere Volksschauspielerin besser passen können, als Trudel Wulle. Die Gattin von Walter Schultheiß, der selbst in dem Mehrteiler mitspielt, genießt es mit viel Wortwitz, ihren schwäbischen Dialekt dem kühlen Hamburger kräftig unter die Nase zu reiben.
Trudel Wulle, sie könnte auch die »Heidi Kabel des Süd-Westens« sein, ist auch mit knapp 85 Jahren noch äußerst konzentriert am Set. Auf die Frage, ob sie nach über 50 Jahren Bühnenerfahrung immer noch Lampenfieber hätte, sagte sie: »Natürlich, denn die, wo es nicht mehr haben, da kommt auch nichts über die Rampe«. Ihr gefällt es beim Dreh, die Kollegen seien alle sehr nett, es herrsche eine richtig gute Stimmung. Das habe man bestimmt auch dem jungen Produzenten Frieder Scheiffele zu verdanken, meint sie. Der 31-Jährige sei mit so viel Herzblut dabei und strahle so viel Ruhe aus, so etwas treffe man heute sehr selten.
Für Scheiffele, der zusammen mit seinen Kollegen Bastian Braig und Sebastian Feld die Schwabenlandfilm GmbH gegründet hat, ist mit der Verpflichtung Trudel Wulles ein Traum in Erfüllung gegangen. Schon seit seiner Kindheit sei er ein ausgesprochener Fan von ihr und ihrem Walter versteht sich, betont Scheiffele.
Der Drehtag neigt sich dem Ende zu und abends, nach Drehschluss, während die Kollegen sich noch gemeinsam auf ein Viertele treffen, ist Trudel Wulle schon längst zu Hause im Schwarzwald. Denn: »Wenn man so alt ist wie ich, darf man auch die Füße hochlegen«.
Gedreht wird bis zum 11. September. Wie der Bäckerkrimi tatsächlich ausgeht, hat niemand beim Dreh verraten. Nur eines ist sicher: Keiner hat bislang klein beigegeben. Im Hause Laible hat es sogar einen Genera-
tionswechsel gegeben. Sohn Florian geht nämlich nicht nach Südafrika, sondern übernimmt die Bäckerei. Die heißt ab sofort »Baker‘s Suite« und hat schon im Vorfeld bei Einheimischen und Gästen in der Kurstadt gleichermaßen für viel Gesprächsstoff gesorgt. Was will Florian erreichen, plant er etwa einen Überraschungs-Coup?
Sogar ein Ehepaar aus Leonberg, die mit der Filmerei gar nichts am Hut hatten, blieben verdutzt vor dem Schaufenster stehen und wunderten sich, was es mit dem englischen Bäckerladen inmitten von Urach auf sich hat. Beide bemerkten gar nicht, dass es eigentlich nur eine Filmkulisse war. Von der Echtheit so überzeugt klopften sie an die verschlossene Tür und wollten tatsächlich ein paar frische Brezeln kaufen. Produzent Scheiffele, der sich zurzeit im Laden befand, klärte das Ehepaar schmunzelnd auf und dachte wahrscheinlich: »Wenn das dem Frisch zu Ohren kommt?«
Zur Person
Trudel Wulle wurde am 10. Oktober 1925 in Heilbronn geboren. Nach Kriegsende gab sie ihr Debüt als Volksschauspielerin 1946 in dem Lustspiel »Hochzeitsreise ohne Mann« in Heilbronn. Im Laufe der langen Film-und Fernsehkarriere stand sie oft an der Seite ihres Mannes Walter Schultheiß im Rampenlicht. Die Beiden sind seit 60 Jahren verheiratet und haben einen Sohn, der ebenfalls in der Branche tätig ist. Zu den bekanntesten Engagements dürften die Fernsehserie »Der Eugen« und einige »Bienzle-Tatorte« gehören. Ganz aktuell spielen die sympathischen Schwaben in dem humorvollen Bäckerkrieg »Laible und Frisch« mit. Trudel Wulle und Walter Schultheiß leben in Wildbad im Schwarzwald.