26. AUGUST 2010
Vorbild Metzingen: Auch in Sonthofen ist ein Fabrikverkauf von Textilien geplant. Dieser soll in Partnerschaft mit Stadt und Handel entstehen. Die Diskussion mit den Einzelhändlern zeigte dabei deutlich: Die Sonthofener erhoffen sich eine deutliche Belebung der Innenstadt und damit neue Umsätze. Die Geschäftsleute stehen dem Projekt teils aber auch mit Skepsis gegenüber. Vor allem die vielen Touristen, die auf der Bundesstraße an Sonthofen vorbeifahren, will man als Kunden locken. Ziel soll sein, mit dem »Allgäu Outlet« Kaufkraft nach Sonthofen zu bringen. Dass ein Herstellerverkauf der beste Frequenzbringer sei, belegte man im Allgäu am Beispiel von Metzingen, das am Tag bis zu 50 000 Besucher anlocke, wie man den Gemeinderäten schmackhaft machte.
Bremse gelobt: Bei den Velokomponenten tut sich derzeit nicht viel. In den letzten Jahren hat die Fahrradtechnik rasante Fortschritte gemacht. Die meisten Hersteller holen jetzt erst einmal Luft und beschränken sich auf Detailverbesserungen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Bremsenspezialist Magura aus Bad Urach. Die Leistungsfähigkeit der Bremsen aus dem Schwabenländle, so urteilten hessische Tester kürzlich, lasse sich zu vertretbaren Kosten nicht mehr steigern. Deshalb hat sich Magura nun darauf konzentriert, Einbau und Wartung einiger Bremsenmodelle zu erleichtern. Wie sich die Tester offensichtlich überzeugten, mit Erfolg.
Spionage: Factory Outlets kennt in Metzingen jedes Kind. In Troisdorf bei Köln beispielsweise sind die Geschäfte, in denen Edelmarkenhersteller Textilien zu Niedrigpreisen anbieten, nahezu unbekannt. Die Mitglieder des Haupt- und Stadtentwicklungsausschusses wollen sich deshalb in den kommenden Monaten in Metzingen informieren, um zu sehen, ob so etwas für Troisdorf ebenfalls in Frage kommt. Hintergrund ist aber nicht etwa, dass man mit Metzingen in Konkurrenz treten möchte. Vielmehr ist in der Innenstadt ein großes Eckhaus mit Ladenlokalen im Erdgeschoss, Büros in den oberen Etagen und Wohnungen auf dem Dach geplant. Und ein Outlet in der Innenstadt kann man sich in Troisdorf nicht vorstellen. Noch nicht.
Tierisch: Professor Dr. Michael Brecht von der Erasmus Universität Rotterdam hat den Ruf auf die erste Professur - »Tierphysiologie / Systemneurobiologie und Neural Computation« - angenommen und wird ab Herbst am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin forschen und lehren. Für uns ist die Sache interessant, weil Michael Brecht nicht irgendein Holländer ist, wie man jetzt vermuten könnte. Nein, Michael Brecht ist 1967 in Bad Urach geboren, studierte in Tübingen Biochemie und Biologie, und führte seine Diplomarbeit am Keck-Center für Integrative Neurowissenschaften der University of California in San Francisco durch. Für alle diejenigen, die jetzt gerne wissen wollen, was der berühmte Sohn Bad Urachs heute macht, wollen wir einen kleinen Blick hinter die Kulissen ermöglichen: Professor Brecht führt seine Studien am Beispiel des über Tasthaare vermittelten Tastsinnes von Ratten durch, wobei er sowohl die dafür zuständigen sensorischen Nervenzellen untersucht als auch motorische Nervenzellen, die die Tastbewegungen der Tasthaare steuern. Mit seinen wegweisenden Untersuchungen konnte er zudem erstmals zeigen, dass die Aktivität einzelner Neurone der Großhirnrinde genügt, um derartige Bewegungen auszulösen. Dieser unerwartete Befund revolutioniert unser Verständnis der kortikalen Repräsentation kognitiver Prozesse, da er den Aktivitätsmustern einzelner Nervenzellen eine weitaus wichtigere Funktion zuweist als bisher allgemein angenommen wurde. Alles klar?